David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Blaues Blut

DAVID WONSCHEWSKI: „Blaues Blut“ – Eine Biedermeiersehnsucht. Sieben Jahre nach „Zerteiltes Leid“ erschafft der Meister des psychisch auffälligen Kammerspiels einen neuen, verstörenden Mikrokosmos, mit vom Autor eingelesenen Audiofiles und einem sechs Lieder umfassenden Soundtrack von Christoph Theussl. RELEASE: 28.03.22.

  • Edition Periplaneta
  • print ISBN: 978-3-95996-219-3
  • epub ISBN: 978-3-95996-220-9

Softcover, Klappenbroschur mit Digital Audio Files, 258 S./ 28 min., Abmessung 20,6 x 13,5 GLP: 14,90€ (D)

Textprobe:

„Du verlässt deine Wohnung nicht mehr. Hockst mit angezogenen Knien auf deiner Matratze, entscheidest dich gegen eine Zigarette, entscheidest dich gegen einen Kaffee, entscheidest dich gegen ein Buch. Entscheidest dich dazu, keine Entscheidungen mehr zu treffen. Zu einem entscheidungslosen Menschen zu werden. Aufzubegehren gegen diesen allgegenwärtigen Aufruf zur Entschiedenheit, diese allgegenwärtig propagierte Entschlussfreude. Feste treten sollte man alle die, die fest etwas vertreten, beständig für etwas eintreten. Sie sind die wahren Zerstörer, die wirklichen Zersetzer. Die Welt krankt an plakativem Anstand. Und sie verreckt an polarisierender Aufrichtigkeit.

I prefer not to, sagte Melvilles Bartleby, der Schreiber. Und wie richtig er doch lag damit.

Denn auch Du magst kein Aufhebens mehr machen. Nicht um andere. Und schon gar nicht um dich selbst, deine viel zu vielen Worte, deine viel zu langen Sätze. Deine Adjektive, deine Prädikate, das unweigerliche Subjekt – du möchtest das alles loswerden, es ein für alle Mal streichen aus deiner Grammatik. Willst niemand mehr sein und nichts mehr tun. Nicht mehr teilnehmen an deinem eigenen Leben. Sterben willst du nicht, nein, das hattest du schon. Der Wunsch zu sterben, der war gestern. Längst erscheint er dir pubertär. Was du anstrebst ist: Gedankenlosigkeit. Wonach du dich sehnst ist: Stumpfheit. Ist: beglückende Lethargie.

So, überlegst du, könnte es gehen. So, denkst du, könnte es sich leben lassen. Nein, du solltest nicht mehr unter Menschen gehen. Solltest aufhören dich beständig mit wem zu treffen, dich mit wem zu beschäftigen, mit diesem und jenem zu reden. Um nur diesem menschlichen Urzustand, der Langeweile entgehen, fortwährende Zerstreuung finden zu können. Unehrlich erscheinen dir jene, die permanent Gesellschaft suchen mit einem Mal. Unaufrichtig. Heuchlerisch. Betrügerisch.“

Von einem Bipolaren, dem die Welt da draußen zu viel wird. Einen weiteren Auszug aus: David Wonschewski – „Blaues Blut – Eine Biedermeiersehnsucht“ (2022) gibt es: HIER.

Weitere Textproben gibt es: HIER.

Inhalt:

Der verhaltensauffällige Abiturient Frankenfelder begeht im Jahr 1997 eine extraordinäre Anzüglichkeit. Was dazu führt, dass die Organisation rechtschaffener kontinentaleuropäischer Männer (OrkM) ihren Undercover-Mitarbeiter Krebs mit der „zeitnahen Entsorgung“ Frankenfelders beauftragt.
Allerdings sieht IM Krebs in Frankenfelder keine große Gefahr für die Nation, sondern einen theatralischen Jüngling, der nur etwas zurechtgebogen werden muss. Ein kleiner weiblicher Anreiz hier, ein wenig kapitalistische Sehnsucht dort und schwupp würde er zu einem vollwertigen Mitglied des Staates werden. Hinbiegen könnte Krebs das – schließlich sind die IM auf Gedankenmanipulation spezialisiert. Ein zu Gefährlichkeit neigender Charakter wird so lange beschattet und mental drangsaliert, bis er in sich zusammenfällt und in der Masse untergeht.
Doch Frankenfelder entpuppt sich als harter Brocken, der in seinem Denken stetig weiter eskaliert. Eine „zeitnahe Entsorgung“ wird Krebs 20 leidvolle Jahre kosten. Eines Tages ist Frankenfelder endlich weg. Und plötzlich ist es Krebs, der sich beobachtet fühlt, und eine Angst überkommt ihn, dass Frankenfelder gar nicht tot ist, sondern das Spiel einfach rumgedreht haben könnte …

Weitere Informationen (Textauszüge, Hör- und Videoclips) folgen. Vorabbestellen kann man das Buch schon jetzt beim Autor, schreiben Sie einfach eine kleine Nachricht. Und zwar: HIER.

Kostenpunkt 17,50 EUR inklusive Versand.

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