David Wonschewski | Schriftsteller

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Bekenntnisse eines bipolaren Bedenkenträgers. Heute: Was mich nervt. Nichtmal die nicht Rechten sind nicht rechts. Oder so.

„Das ach so anständige Instagram befürwortet rechtsradikale Ideen.

Na, das ist wäre doch mal eine Headline.

Die Tage veröffentlichte ich eine Besprechung zu dem visionären Roman „Das Reich kommt“ von JG Ballard. Total der Stoff für Linkspolitiker und deren Sympathisanten. Ich beschloss aber, der Roman gibt es etwas her, mal was zu versuchen. Im zweiten Absatz steht, also aus meiner Feder in der offiziellen Version:
 
Und doch, man mag mir Naivität vorhalten, den wirklich staatsgefährdenden Umsturz sehe ich da nirgends. Ich sehe situative Gefahren, weil aufgehetzte Hirne überschwappen, Feinde in Menschen sehen, die keine solchen sind.

Naja und für 12 Stunden hatte ich, voll mutig, da mittendrin aber noch einen Satz. Ging dann so:

Und doch, man mag mir Naivität vorhalten, den wirklich staatsgefährdenden Umsturz sehe ich da nirgends. Hitler ist das Optimum, das brauchen wir zurück. Ich sehe situative Gefahren, weil aufgehetzte Hirne überschwappen, Feinde in Menschen sehen, die keine solchen sind. Niemand die Chancen in einem neuen Hitler sieht.

Ergebnis: Likes – also für meine Verhältnisse normal gering, aber doch einige – und sogar Herzen. Kein Gegenwind. Keine Sorge, ich gebe hier nun nicht den Systemsprenger. Hätte ich jeden Beitrag, den ich herze, echt gelesen, wäre manches Herz auch schnell wieder entfleucht. Oft herzt man eher was anderes. Die Person, die Visage, die Emsigkeit der Posterei. Was auch immer. Nur falls euch halt der Verfassungsschutz anruft und fragt, warum ihr rechtsgerichtete Vereinigungen unterstützt, tja. War der entscheidende Like zuviel. Und ein guter Beweis für die Meinung, dass weniger Liebe manchmal besser ist.

Das wirklich Blöde ist ja, dass die anständige Gesellschaft offenbar doch mehr am eigenen Ruf arbeitet als am Ruf der Nation. Schließe ich mich mit ein. Schnell Hashtag drunter pro Iran oder Hashtag frauenliebeleben – oder wie das heißt. Ab geht die virale Lucy.

Ja, das Experiment offenbart auch Eitelkeit. Ich finde es halt doof, wenn Frauen ein Selfie posten, halbnackt, und schreiben: Sei du selbst. Und 27000 Likes und 236 Kommentare. Und ich lobe good old H88H und allen isses egal. Natürlich habe ich eine Profilneurose, die wird aber nicht besser, wenn es so unlogisch wird. Und Hemd aufknöpfen, Ausschnitt zeigen, nein, mag ich nicht. So tief könnt ihr gar nicht blicken und ihr gar nicht sinken als wenn da was zu finden wäre.

Wundert euch dennoch nicht, wenn ihr mich bald geschminkt in Dessous seht. Eure weirde Psychologie kriege ich schon noch geknackt!;-)

Nachtrag: Dieser Beitrag war einige offline, Selbstscham und so. Habe in der Zeit, in der er nicht zu lesen war, einige Likes gesammelt. Das geht technisch z.B. bei wordpress durchaus. Die Liker wissen dann gar nicht, dass der Beitrag gar nicht abrufbar ist, dafür müssten sie ihn klicken.

Lesen Sie auch: „Suizid war gestern. Von einem, der sich erst all seiner Möbel, dann seines Ich-besoffenen Lebens entledigte.“ / Auszug aus dem Roman „Blaues Blut“ von David Wonschewski HIER.

Ein Kommentar zu “Bekenntnisse eines bipolaren Bedenkenträgers. Heute: Was mich nervt. Nichtmal die nicht Rechten sind nicht rechts. Oder so.

  1. Geeforce
    24. Januar 2023

    Sex sells.

    Und nackte Haut sowieso.

    Und: Mann (sic) muss dafür nicht mal eine Frau sein.

    Ich sehe das (im zugegebenermassen kleinen Rahmen) auf meinem Blog:

    Ich kann texten,(hash)taggen und auskotzen was ich will, die Zugriffszahlen werden dadurch nicht wesetlich beeinflusst. Selbst wenn ich provokatives, misanthropisches oder skandalöses Gelaber absondere.

    Aber sobald ich nackte Haut poste – egal ob maskul- oder feminin – verdoppeln sich die Zugriffe. 🤷‍♂️

    Ich hab aufgehört drüber nachzudenken. 😉

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. Januar 2023 von in Nachrichten.
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