David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Audio-Video: David Wonschewski – „Abschiedsbrief eines schändlich Verlassenen“

Im Grunde, so hat Reinhard Mey in einem Gespräch einmal zu mir gesagt, geht es bei jedem Kunsterzeugnis um Liebe. Egal, ob Buch, Film, Bild oder Lied und egal, ob vordergründig ein ganz anderes Thema aufgefahren wird. Wenn man nur ein wenig an der Oberfläche kratzt, dann merkt man schnell: Ein Künstler will immer nur eines, nämlich geliebt werden. Und je mehr er wie einer auftritt, der genau das nicht will – trifft das auf ihn ganz besonders zu.

Nun, gerade heute, am 14. Februar, ist man natürlich geneigt, Reinhard Mey zuzustimmen. Zumal es ja auch so schmissig klingt, so grundpositiv, man kann die Likes nur so purzeln hören, die es dafür gibt, wenn man einfach nur sagt: All you need is love. Das ist virtuell sehr effektiv, aber natürlich auch ziemlich simpel. Hat Reinhard Mey denn recht? Nun, wenn zum Beispiel ich mal so an mir selbst kratze, meine zwei Romane, den Kurzgeschichtenband und die Audio-CD durchleuchte, mir ansehe, was ich da so „verzapft“ habe, dann muss ich ganz entschieden sagen: Es stimmt. Ha. Alles was ich bisher schrieb, schrieb ich weil ich liebe oder liebte oder glaubte zu lieben oder Liebe suchte, Liebe zu spät erkannte, Liebe nicht wertzuschätzen wusste, Liebe mitunter sogar dringend loswerden musste. Ja, ei der Daus! Dass meine Texte dabei in der Regel etwas dunkler geraten sind, ist für mich dabei nur die logische Folge von all der einen schier erschlagenden Liebe. Mir ist bewusst, dass viele das anders sehen, viele aber auch so wie ich: Liebe findet sich nicht zwangsläufig dort, wo die Sonne scheint, wo das Lachen laut und unbeschwert klingt. Oftmals findet sie sich im Schatten, in der Stille, in der Dunkleheit und Einsamkeit, der Trauer und der Scham.

Bekanntlich gibt es viele Kunstgattungen, die sich mehr oder weniger betont der Düsternis zugewandt haben. Oftmals müssen sich Anhänger dieser Sparten fragen lassen, wie ihnen zu helfen sei. Viele kultivieren dann das eigene Ego ein wenig, nichts wärmt so sehr wie von anderen als komplett erkaltet wahrgenommen zu werden. Aber das ist natürlich nur Maskerade, denn angelehnt an Reinhard Mey lässt sich eindeutig sagen: Je dunkler die Kunst, desto höher der Liebesgehalt.

Deswegen wechsel ich auch immer die Straßenseite, wenn mir Fans von Happy End-Hollywoodkino, poppiger Chartsmusik und Unterhaltungsliteratur entgegenkommen. Aus Angst. Sind mir nicht ganz geheuer, diese offensiven Love-Apologeten. Tickende Zeitbomben. Love, Love, Love.

Doch genug von mir und über mich. Angefügt noch ein kurzer Passus über etwas ganz anderes: meine Texte, ha. Man verzeihe mir das, Ende März kommt mein neuer Roman „Blaues Blut“, was mich in die dunkle Situation bringt, mich selbst ein wenig in hellen Farben schillern zu lassen. Ich habe mal nachgeschaut, drei wirkliche Liebestexte habe ich geschrieben. Einer davon fiel mir, ein als ich einen Film Colin Firth (ist das jetzt nicht auch Hollywood??) sah: „A Single Man“ (2009). Leidergottes einer der dunkelschönsten Liebesfilme, die ich kenne. Kaum hatte ich den Film beendet, schrieb ich „Abschiedsbrief eines schändlich Verlassenen“, in einem Zug, ohne Absetzen. Habe ich auch noch nie gehabt sowas.

Wer gerne einmal reinhören mag, klicke unten. Wer das Hörbuch oder eines der anderen Bücher erwerben möchte, kann es dort erwerben, wo man es halt so erwerben kann. Wer vorher noch ein wenig in andere Texte hören oder lesen mag, kann es dort tun, wo man noch ein wenig in andere Texte hören und lesen kann. Das schöne am modernen Menschen ist ja, dass man mittlerweile keine Links mehr setzen muss, weiß ja jeder wo ma was wie findet. Wer heute seinen allerersten Tag im Internet hat: HIER.

Ich wünsche einen schönen Valtentinstag!

Ein Kommentar zu “Audio-Video: David Wonschewski – „Abschiedsbrief eines schändlich Verlassenen“

  1. Amy
    2. Juni 2022

    Diese Geschichte habe ich gefühlt.

    Am Valentinstag ungeliebt, oder auch an Heiligabend allein zu sein, ist nicht so schlimm, wie es für viele Menschen klingt. Sofern man auch etwas mit sich selbst anzufangen weiß, selbst wenn man sich selbst nur sucht. Letzendlich sind es Tage wie alle anderen, total gewöhnlich.

    Ich denke dass die Liebe, die einsame, die unerwiderte, die tief verborgene, schweigende, viel intensiver ist, als die fröhliche Blümchen pflückende, Eis im Sommer schlabbernde Liebe. Selbst wenn ein kurzes Hoch-Gefühl in sehr düsteren Momenten erstrebenswert erscheint. Den selben kurzlebigen Effekt liefert ein Stück Schokolade aber auch.

    Also fühle ich mich wohl in meiner eigenen Dunkelheit, der Tiefe, und Liebe vermutlich gerade den Menschen, der sich ungeliebt fühlt. Und selbst dort entlockt es einem ein Lächeln.

Kommentar verfassen

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. Juli 2022 von in Nachrichten.
%d Bloggern gefällt das: