David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Und, was lest ihr gerade? 08. Juni 2022

„Brown Sugar“ von den Rolling Stones. „Alan’s Psychedelic Breakfast“ von Pink Floyd. „Strawberry Fields“ von den Beatles, „Mother Sky“ von CAN und „Ruckzuck“ von Kraftwerk. Und „Limassol“ von Maximo Park“.

Ach, ist das schön. Nachdem ich mich in den letzten Monaten ganz egoistisch um mich selbst und meinem in Aufreißerlaune geschriebenen mitreißenden Runterreißroman „Blaues Blut“ kümmern musste, habe ich nun endlich wieder Luft für anderes. Kann endlich wieder Zeug anderer Autoren lesen. Zeug, dass ich ich ich lesen will. Weil es mich mich mich interessiert. Und von Leuten geschrieben wurde, die mir mir mir identitätspolitisch betrachtet relativ nahestehen.

Hach, ja, Altruismus ist so gut für die Seele, merke ich gerade mal wieder. Übern Tellerrand schauen für Fortgeschrittene.

Die oben genannten Songs entstammen den ersten 100 Seiten von Ralf Rothmann’s 1991er-Debüt „Stier“. Ein Roman, der 1991 einen weniger verklärenden Blick auf die bis dahin im linksliberalen Milieu gerne glorifizierte Generation der 1968er wagt. 68er entlarven ist ja eh mein Ding, das Ganze dann noch aus Sicht eines semi-gestrandeten und nach Berlin getrmten Schriftstellers, gespickt mit musikalischen Undergroundreferenzen. Ich kannte Rothmann vor einem knappen Jahr gar nicht, also nicht einmal den Namen. War sehr verwundert als ich plötzlich las, dass nach dem Ableben einiger Koryphäen er einer derjenigen wäre, die den hohepriesterlichen Literaturstab übernommen hätte. Als größter nunmehr noch lebender Dichter und Denker der Deutschen. Ob es dafür reicht kann ich noch nicht sagen, aber für den Moment erfreut er mich auf eine Weise, die mich an Christoph Hein erinnert. Quasi ein DDR-Pendant zum Ruhrgebietler Rothmann. Den „Ostler“ Hein kenne ich fast-Ruhrgebietler schon seit Schulzeiten, den Ruhrgebiets-„Westler“ Rothmann seit vergangenem jahr. Sachen gibt es.

Wer bei den Songs da oben etwas zuckte, weil Maximo Park da nicht so richtig reinpassen: stimmt. Das tolle Lied „Limassol“ ist auch nicht im Rothmann-Roman, wäre auch staunenswert wenn, ist es doch schlappe 14 Jahre jünger als der „Stier“. Deswegen habe ich mir aber das Buch von Yishai Sarid zugelegt. Nach der Stadt „Warschau“ (Joy Division! Bowie!) versorgt mich die Stadt „Limassol“ mit einem artifiziellen Raunenstaunen, die ich selbst nicht erklären kann. Obschon ich weder dort noch dortdort je gewesen bin.

Und, was lest ihr gerade?

Unterstützen Sie den Autor der unbedeutenden Zeilen dort oben, klicke Sie bitte auf das Video unten. Klicken reicht, anschauen bitte nicht. Es trägt Züge verstörender Introspekitivität. Was immer das auch sein soll. Klingt aber nach LSD, irgendwie.

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