David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Berlin! Berlin! Wir türmen aus Berlin! Soeben ausgelesen: Dirk Bernemann – „Schützenfest“ (2021)

von David Wonschewski

Um es vorneweg zu sagen, dies hier wird mehr ein persönlicher, nun, Essay als eine Rezension. Der fulminante aktuelle Bernemann-Roman „Schützenfest“ bedingt es einfach. Meine Einstiege sind ja fast immer persönlich. Diesmal aber schieße ich, was das betrifft, hüstel, den Vogel ab. Man sei mir bitte nicht Gram, persönliche Romane erfordern halt persönliche Zugänge.

Nein, ich bin nicht Dirk Bernemann. Und noch viel weniger bin ich Gunnar Bäumer. Ich bin David Wonschewski, gebürtiger Westmünsterländer, Schriftsteller, Mitte 40. Bis nache (kein Schreibfehler, sondern sprachliches Lokalkolorit) bis nache Bundeswehr habe ich im Kreis Coesfeld gewohnt, Kindergarten, Schule, Abi, alles da. Dann ab nach Berlin, Horizonterweiterung, Lebensfindung, the place to be und so. Die Schlaueren meiner Leser und Leserinnen kennen das und wundern sich bereits, sind nie auf so etwas hereingefallen, sind keine Motten. Wer sich für einen kreativen Künstler hält, in jungen Jahren an Freund und Feind vorbei nach Berlin prescht, der ist aber eben das, nur das: Motte. Okay, etwas Ikarus ist auch drin. Man denkt sich, wohl doch noch ziemlich grün hinter den Ohren: Provinz, das ist doch was für arschlos Steckengebliebene. „Bravehearting for Runaways“ nennt sich dieses Phänomen. Noch nie von gehört? Kein Wunder, habe es gerade erfunden. Also den Namen, die Symptomatik ist steinalt und wahnsinnig verbreitet.

Das Dorf meiner Jugend heißt im Übrigen Nottuln. Seltsamer Name, kommt vom altdeutschen Nutlohn (Nusswald), im Plattdeutschen heißt das Kaff Notteln. Ein gutes Beispiel dafür, dass Erklärung an Erklärung Dinge noch viel schlimmer machen können. Ein Ortsteil von Nottuln, ja, so etwas leistet man sich bei knapp 20.000 Einwohnern, tat es aber schon, als es nur 12.000 waren, heißt Appelhülsen. Ja, ich weiß, ich sollte einfach die Fresse halten, es ist geradewegs peinlich wie sehr ich mich hier selbst diskreditiere. Fand auch der VIVA-Moderator Nils Bokelberg in den 90ern, als eine Trulla aus eben Appelhülsen ihm einen Zuschauerinnenbrief schrieb und er den Lachflash seines Lebens bekam, weil sie blöde genug war ihren Wohnort im ersten Satz zu erwähnen und er bei dem Namen den Lachflash seines Lebens bekam. Vielleicht bekam er auch nur den Lachflash meines Lebens, Erinnerung verschwimmt ganz gerne mal, wie wir wissen.

Nottuln ist ganz gut daran zu erkennen, dass es an nichts zu erkennen ist. Sollten Sie einmal mit dem Auto in der Gegend unterwegs sein und eine Ahnung von Dorf umschleicht gar plötzlich ihr Gemüt, die Hand am Steuer durchzuckt es sie und sie denken „war da nicht gerade was?“, einem Poltergeiste nicht unähnlich, dann war das Nottuln. Und sie sind mitten durch, konnten aber ja nicht ahnen, dass das, was für Sie ein schnelles Durchfahren ist, andere Leben nennen. Ein Graus. Von mir selbst im Übrigen, man verzeihe mir die Querpromo, in meinem neuen Roman „Blaues Blut“ als „Hönningstrup“ ebenso literarisch verbrämt. Dem Bernemann’schen Stoff in der Grundidee – nicht im Stil – durchaus verwandt. Kennen Sie die Geschichte vom Verlorenen Sohn? Klar, kennt jeder. Das war der, der nach vielen Jahren reumütig heimkehrte und dem, kaum zurück, sofort wieder einfiel, warum er damals getürmt war.

Ja, ich werde unfair. Also gegenüber der westfälischen Provinz. Lass hier voll den Bernemann raushängen, gebe hier den Bäumer, seinen Romanprotagonisten. So sind wir Exil-Ex-Berliner halt. Die einzige Spezies Mensch, die noch unberechtigt arroganter ist als Ur-Berliner. Wussten Sie, dass ich mit dem Schauspieler Jürgen Vogel mal tierisch Indierockparty gemacht habe in Berlin? Er weniger mit mir als ich mit ihm, ha, was mich aber nicht kümmert, habe ein Selfie von jenem Abend, er natürlich mit dem Rücken zu mir darauf, aber auch das ist mir egal. Weiß ja die Nachwelt nicht einzuordnen, der Pöbel in Nusswaldonien, den man aus unbekanntem Grunde damit beeindrucken möchte schon gar nicht. Und wer mir beim Gang durch Charlottenburg nicht alles an Ampeln entgegenkam. Yvonne Catterfeld. Christoph Waltz. Der ZDF-Journalist (mittlerweile Paris-Korrespondent) Thomas Walde war mein Nachbar. Ich war paarmal kurz davor, ihn wegen eines Jobs auf den Puffer zu gehen. Habe es dann gelassen aus Angst, er könnte es echt tun, mich echt da unterbringen. Hilfe.

Geht man mit 20 aus der Provinz nach Berlin, dann glaubt man „geile Sau“ wäre eine ansteckende Krankheit. Mit der man sich durch umtriebiges Rumgeeiere anstecken kann. Ich zum Beispiel habe Chris Rea umarmt, lustige Fotos mit OMD und den Pet Shop Boys gemacht, Cliff Richard bei einem Interview buddafigurenmäßig so oft angefasst, dass es für ein Strafverfahren reichen würde. Ich war in aller Art Clubs, und wenn ich sage aller Art, meine ich das auch so. Ich dachte echt, irgendwie werde ich es mir schon holen, es mir einfangen. Dieses „geile Sau“-Symptom. Wurde aber nie was draus, ich wurde es nie, mimte es lediglich auf heimatlichen Stippvisiten in der Provinz. Ungewollt, sowas steuert man nicht an, es kommt von selbst. Der ehemalige Nachbar, da in good ol‘ Nusswald-Nuttentown, alt geworden, klein geworden, kleiner noch als das Haus, die ganze Straße ist mächtig geschrumpft, wie eingedampft liegt sie da. Und er sagt: „Daaaavid…habe schon gehört…Beeerliiin….Radioooo….Schriftsteller…boooaaaah“.

Kennen Sie die Geschichte von dem, der „es geschafft“ hatte – ohne es geschafft zu haben? Die Geschichte von dem, der mit Ray Garvey und Sasha auf einem Sofa saß und als alle drei aufstanden, nur einer keinen Arschabdruck hinterließ? Das ist meine Geschichte. Und offenbar auch die, so ein wenig, von Dirk Bernemann.

Ich erwähne das alles, weil es zum Verständnis von Dirk Bernemanns neuem Roman „Schützenfest“ von Belang ist. Jeder kennt das Gefühl heimzukommen. Aber geknickt, geläutert, geteert und gefedert heimkommen, nachdem einem die eigene Arroganz in der Metropole zwar nicht um die Ohren geflogen ist, aber doch qualvoll siechend an sich selbst verreckte, das ist speziell. Dirk Bernemann hat einen leichten, besinnlichen, philosophischen Roman über mich, über sich, über unseresgleichen geschrieben. Selten habe ich so sehr über mich selbst gelacht, über mich selbst nachgedacht wie bei diesem „Schützenfest“.

Jeden Abend mit Jürgen Vogel abhotten (was ich nie tat, mir aber einbildete, da ich eben wusste, wo er tanzt und zu welchen Liedern) brauche ich nicht mehr, es fühlt sich fad und geschmacklos an, so dachte ich, als ich vor einigen Jahren auf einem dieser mütterlich erzwungenen Heimaturlaube war. Mir das Schaufenster des örtlichen Friseurs besah, dem Friseur meiner Jugend. Der, der immer noch so heißt wie Friseurläden in Metropolen schon lange nicht mehr heißen („Salon xy“ anstatt „Blut und Bärte“ oder so ein pseudo-cooler Drecksschnickschnack). Dazu diese Plakate, darauf diese Kopfmodels, die mir allesamt und aus jeder Fönwellen-Ritze vorsangen, wie der Sommer schmeckt. Nämlich so, und nur so schmeckt der Sommer.

Das Lustige an Berlin ist, da gebe ich dem hochveranlagten Spitzenliteraten und nunmehr Abhauer-Verräter Bernemann recht, dass es sich dem der Provinz Entflohenen als Prädikat anheftet, dort in der westfälischen Einöde. Man dieses abstruse Lob über die Jahre aber mit zunehmend hängenderen Schultern empfängt. Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich strebte ich nach Besonderheit und auch Berühmtheit als ich nach Berlin ging. Aber wenn man 40 ist, dem damaligen besten Kindheitsfreund gegenübersteht, er wie ich haben vier Bier intus und er sagt: „Hatten halt nicht alle so viel Mumm wie du, Wonsch!“ – dann geht der Blick auf Streife, sucht den Schützenfest-Klowagen. Irgendwann nickt man nur noch ab, ja, Berlin, ja, cool, ja, Fame. Nein, keine 8000 netto, auch keine 4000. Nein, wirklich nicht. Nein, da kann nicht mal Jürgen Vogel was drehen.

Kennen sie die Geschichte von dem, der jahrelang bei den angesagtesten Bands in den Backstagebereich durfte, wenige Jahre später, auf einem Schützenfest in der heimatlichen Provinz,aber nicht eine Geschichte mehr findet, die es wert wäre, angeberisch erzählt zu werden? Und der gute alte, der nie aus diesem gottverdammten Kaff weggekommene Jugendkumpel hat Anstand genug in die peinliche Stille hinein zu erzählen, wie sein Sohn, mittlerweile 17, sich vor zehn Jahren einmal beim vergeblichen Versuch sich im Vollsuff alleine die Schuhe zu binden in die Hosen gemacht hat, etwas verschämt dabei lächelt, weil er halt nur das hat an Storys. Derweil du geile Sau die No Angels umarmt hast, alle 5, eine nach der anderen. So richtig nach allen Regeln der Kunst durchumarmt hast du das nicht einmal schulterhohe Frauenpowerpack. Und der Kumpel fragt dich Fragen, die nur Männer nach 7 Bier einander fragen und dir fällt auf, dass du alle mit einem simplen Nö beantwortest. Und du lieber mehr über die Sache mit dem Schuhzubinden hören willst, weil Schriftsteller Geschichten aus dem Leben brauchen, niemals aber Berlin, das keiner braucht, das nichts bringt, zu nichts führt. Sich immer nur selbst abfackelt.

Ich sagte eingangs, diese Rezension wird eher ein persönlicher, nun, Essay. Das ist ein Lob, eventuell das größte, das man einem Autoren machen kann. Und ich mache es Dirk Bernemann. Das „Schützenfest“ mäandert, groß aus dem Inhalt erzählen kann man schwerlich, da ist einer, der kommt nach Hause, latscht in den Straßen seiner Jugend herum, haut irgendwann wieder ab. Dieser Mann – es könnte fraglos, mit wenigen Abstrichen, auch eine Frau sein – ist Dirk, ist Gunnar, ist David.

Ich meckere nicht über Berlin, ich meckere mehr über unsereins als über die Stadt. Gehört Berlin letztlich doch nur zu den am emsigsten vergewaltigten Städten der Welt. Hat auch der Berliner Chansonnier Klaus Hoffmann einige Male so besungen, wobei er auch stets selbstkritisch auf den nuttenhaften Grundcharakter seiner Heimat verwies. Natürlich ist es cool, als Autor tief in die Berliner Kreativenszene zu tauchen, Lesungen zu machen, vor allem, wenn dann gelegentlich sogar mal Publikum da ist, ha – wofür die Millionenstadt Berlin paradoxerweise aber der schlechteste Platz ist. Meine miesesten Liveerfahrungen waren allesamt in Berlin. Die besten in Burgsteinfurt und Weningroda. Wie, nie gehört, kennen Sie nicht, die Orte? Eben. Fünf gelangweilte selbst schreibende Hipster-Netzwerker hier, 80 tosend applaudierende Provinzler dort. Hat es halt geschafft, der Wonschewski. Geile Sau, der Wonschewski. Man kann vieles finden in so einer szenigen Großstadt. Würde gehört nicht dazu.

Ja, man könnte nun glauben, ich rede wieder sonst was daher, nur um nicht über andere reden zu müssen. „Gescheiterte geile Säue und Egozentrik“ – das wäre doch mal ein Thema für eine Doktorarbeit. Dirk Bernemann und sein „Schützenfest“ beispielsweise bieten sich hier als Fußnoten- und Zitatelieferant an. Wobei ich uns, bin halt gerade so im Schwung, da nunmehr kleiner mache als wir sind. Manche laufen barfuß nach Canossa, um Läuterung zu finden. Andere pilgern den Jakobsweg. Wieder andere, so wie ich – und vielleicht auch Dirk Bernemann – kehren rechtzeitig zum Schützenfest heim, knien nieder vorm Bierwagen, bekennen mit silbrig glänzenden Augen und grönemeyer’schem Schatten im Blick vor der dort emsig zapfenden Zapfhahngöttin: Biggi, oh Biggi, ich lag falsch, Eitelkeit trug mich fort. Und fügen trockenen und dürstenden Mundes an: Biggi, oh Biggi – nomma 3 halbe für die Männer vom Sägewerk.

Biggi ist No Angel. Aber Biggi liefert schnell, jedes Glas ein Hit. Biggi schenkt beim Schützenfest aus, Biggi ist groß, Biggi ist sogar ein wenig breit, Biggi kegelt wie eine Weltmeisterin. Biggi zieht ihren Sohn alleine groß und Biggi hinterlässt gewiss auch Arschabdrücke, wenn sie sich aus Polstern erhebt.  Und ich, eine vierte Runde für die Männer vom Sägewerk ordernd, summe mir glasigen Auges vor, derweil ich ihr Zapfen im Ausschenkwagen beobachte: I wanna see the daylight in her eyes.

Das ist das eigentliche Problem nach einer Rückkehr in die Provinz, wie ich sie 2016 vollzogen habe. Man ist geneigt jede stumpfe Peinlichkeit derart überzuinterpretieren, dass man direkt in die Siegmund-Freud-Gesellschaft aufgenommen werden müsste dafür.

Diese „Biggi“ ist nicht aus Bernemanns „Schützenfest“, sie ist meine Erfindung, auf schmalem Parkett zeigt es aber so ein wenig, worum es geht in dem Roman. „Schützenfest“ ist eine Mischung aus, tja, beengtem Roadmovie mit einem Radius von maximal 800 Metern – und stream-of-consciousness-Tennis-gegen-die-Wand-Reflektionen. Und eigentlich erzählt der Roman auch nur die gottverdammt alte Geschichte vom Plan, den man hatte, der dann aber nicht aufging. Von der Suche, vom Fernweh. Vom Neid auf die, die man kesser Lippe zurücklässt. De facto passiert auch nicht viel, es ist „Schützenfest“, Saufsaison im Münsterland, man schießt einen seit jeher nicht echten Vogel vom Gebälk und ist dann König des Orts, einem rheinischen Karnevalsprinzen gar nicht so unähnlich. Und vor Ort, im freudigen Provinzgetümmel, geht das, hat erst ein solches Mannsbild wahrlich mal wieder den Vogel abgeschossen, etwa so, quer über den matschigen Dorfrummelplatz: „Moachs mir nomma zwei?“. Und es geht so: „Pommes für hier? Ja, für hier“. Und genau das ist das Leben und plötzlich ist gar nichts mehr falsch daran. Und die Frauen, längst nicht so stockfrustriert wie ihre plakativen feministischen Geschlechtsgenossinnen in der Metropole so, kühl schulterzuckend und damit jedes männliche Ego locker zerbröselnd: „ Noaaa, kanns nix machen, nö?“. Männers eben. Und diese Männers, Daumen an die Stirn, Spreizgeste mit der Hand: „Nö, kamma nich.“ Rülps und: „Schuuulz!“

Für Uneingeweihte: Mitunter kurz vor Dittsche dit allet, wenn auch in loicht anderer Gegend, mit loicht anderem Diorlekt.

Dieses „Schützenfest“ von Dirk Bernemann lässt mich bierselig nostalgisch berührt schmunzeln, es lässt mich Wurzeln schlagen, es lässt mich auch mal wieder nach Berlin wollen. Und sei es auch nur, um bei der späteren Wegfahrt aus Berlin dieses unnachahmliche Gefühl noch einmal zu erleben, das Menschen wie mich umgreift, wenn der Zug sich langsam aus der Stadt Richtung Hannover schlängelt. Und man sich grinsend eingestehen kann: außer Spesen, nix gewesen. Berlin eben.

Zum Abschluss – das „Schützenfest erhält von mir subjektive 5 von 5 Sternen – noch ein Wort in Sachen Realität. Einfach nur, da ich weiß, dass ein Gutteil der Leser meiner Rezensionen mehr so im Hanser-Suhrkamp-SPIEGELBestsellerliste-Kosmos unterwegs ist, von diesem angeblich ach wie fulminanten Dirk Bernemann nie gehört hat. Kommt man als hoffnungsfroher Autor, wie ich, nach Berlin, weht einem sein Name mit als Erstes um die Ohren. Ich kenne ein paar hippe Indiemädchen, die ich nur deswegen nicht als meine ersten Groupies bezeichnen kann, weil glorreichere Typen wie eben dieser verdammte Bernemann mir den Weg in diese Gossenromantik versperren. Klar, wäre er nicht da, so wäre jemand anderes da, das ist aber doch nicht der Punkt, wenn man unqualifiziert und möglichst wenig vielschichtig nach Gründen für eigenes Scheitern sucht! Da braucht es simple Antworten! Bernemann ist dort, wo ich 2016 weg bin, eine echte Marke. Verdammt! Ich sei ja ganz nett, hörte ich oft, aber ob ich den Bernemann kenne, zumal der doch aus Coesfeld da die Ecke käme, da kennt man sich doch, oder erkennt sich zumindest, am Kuhduft, den unsereins Westfalen hinter sich herziehen….Bernemann gilt als einer der wenigen „Indie-Autoren“, die, herrje, „es geschafft“ haben. Darum ist er wohl auch bei Heyne mittlerweile. Für mich ist er nominell schon lange ein Vorbild, hatte nur nichts gelesen bisher. „Schützenfest“ hat mich nun auch zum Fan gemacht, zum Groupie. Bockneidisch bin ich aber wegen etwas ganz anderem auf ihn. So ich hier nicht einer abstrusen Namensverwechslung erliege, ist Dirk Bernemann auch als musikjournalistischer Begleiter im Fahrwasser einer meiner absoluten Lieblingsbands, Love A (deutscher PostPunk mit existentialistischer Wut- und Verzweiflungsnote), unterwegs. Bernemann und Love A – man kennt sich offenbar, man schätzt sich offenbar, man kooperiert. Dass er mir die Borderline-Indiemädchen wegzieht, kann ich verschmerzen, aber Love A, nein, verzeihe ich ihm nicht. Ich habe doch nicht jahrelang an den Yo Angels (oder wie die hießen) herum gegrapscht, um dann das Nachsehen zu haben!

Und ich, der Musikjournalist, der Chris Rea 2005 in Hamburg in einem 5 Sterne-Hotel am Bart ziehen durfte, strebe wieder ins WC, über die Schüssel. Neid fressen Gönnerhaftigkeit auf. Das war immer mein Traum, würde ich sogar nach Berlin reisen für. Dort Love A-Sänger Jörkk Mechenbier umarmen, ein Selfie machen, wie er mir Jürgen Vogel-mäßig den Rücken zukehrt, dann direkt nach Nottulnhülsen gurken, mich als „geile Sau, hat es geschafft“ diskriminieren lassen. Das alles – und noooch viel meeehr. Würd‘ ich machen, wenn ich….ups, Ralph Möbius, bekannt als Rio Reiser, ist in Berlin geboren. Wenn ich den frech zitiere, so wird das wohl unter kultureller Aneignung laufen. So wie mein ganzer Umzug nach Berlin 1998 kulturelle Aneignung war. Mich mit fremden Indianerfedern zu schmücken, das war mein Plan.

Und last but not least: Nottuln ist mein Heimatkaff, nicht das von Dirk Bernemann. Da seines nicht explizit im Roman genannt wird, nenne ich es auch hier nicht. Das Internet, das olle Flittchen, singt es aber bereitwillig aus. So man die Suchklaviatur zu bedienen weiß.

Seinen Sie nett, tun Sie so als läge Ihnen auch was am literaischen Schaffen des neidzerfräselten Autors der obigen Zeilen. Klicken Sie folgenden link und lesen Sie rein in seinen 2022 Roman „Blaues Blut“: https://wp.me/p2BujB-3Pa

Unterdrücken Sie dabei bitte die Frage, warum der eitle Sack, der hier ja offenbar noch immer die Tastatur bedient, im Pluralis Majestatis schreibt, ja ob er vielleicht glauhbt „es geschafft“ zu haben, ob er einer jener Gesellen ist, die angebend und armleuchternd vorm Bierwagen stehen, schwankend, die arme Biggi behelligen. Um es abzukürzen: Jop. Genau so einer isser. Normal. Schuuulz.

Kommentar verfassen

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27. April 2022 von in 2021, 5 Sterne, Bernemann, Dirk, Soeben ausgelesen und getaggt mit , , , , , .
%d Bloggern gefällt das: