David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Neulich, im Think Tank.

Erinnert ihr euch noch an jene lange zurückliegenden Tage, in denen Journalisten in ihren Politikartikeln mit dem mit Vorsicht zu genießenden Zusatz jonglierten: „wie es aus gut unterrichten Kreisen heißt“ oder „wie ein Vertrauter hinter vorgehaltener Hand raunt“. Und man jedes Mal dachte: Ach komm, Journalist, das Zitat dazu hast du dir doch selbst ausgedacht! Brauchst noch etwas Pfeffer für deinen Bericht und jonglierst hier jetzt frech entlang deiner journalistischen Quellenschweigepflicht.

Nun gut, vielleicht irrte ich da auch immer, vielleicht gab es diesen „Freund aus Kindertagen, der unerkannt bleiben, sich aber sehr sehr gerne gehässig äußern möchte“ wirklich immer, vielleicht haben jene „ersten vereinzelt unzufriendenen Stimmen aus dem Kanzleramt“ wirklich stets Gesichter gehabt, so richtig mit Nase vorne und Frisur oben. Wer weiß das schon. Egal ist es eh, denn dieses anonyme Bezugsquellenritual der Hilflosigkeit hat offenbar ausgedient, wie ich zunehmend feststelle. Inzwischen beruft man sich immer öfter auf irgendwelche Leute von irgendwelchen Think Tanks. Das klingt immer so intellektuell-naturwissenschaftlich, weltoffen und unabhängig sowieso. So richtig „wir haben 1972 und der Club of Rome rettet die Welt“-mäßig. Und sogar Klarnamen darf man nennen. Das Ganze nimmt mittlerweile derart überhand, dass man sich fast schämt, nicht selbst einem solchen Think Tank anzugehören, so viele wie es davon offenbar mittlerweile gibt. Ob man sich da wohl bewerben kann? Oder muss man da jahrelang die Straße auf und ab laufen bis man, wie beim Geheimdienst, irgendwann mit Glück mal angesprochen wird?

Um ehrlich zu sein will ich die aber gar nicht hin. Weil ich den Unterschied zwischen Think Tank und Lobby bisher nicht so ganz verstanden habe. Abgesehen vom tollen bzw eben verdammt ramponierten Ruf, klar. Lobbyist wäre ich dafür sehr gerne, stelle ich mir weniger anstrengend bigott vor. Kann man auch schneller zur Sache kommen. Aber wie wird man Lobbyist? Muss man da auch den ganzen Tag auf der Straße rumlaufen bis einen wer anspricht? (Ähnlichkeiten mit einem anderen Gewerbe sind rein zufällig). Oder muss man sich dafür erst privat an eine in der Bundespolitik tätige Person binden (ein Karriereweg, der auffallend oft klappt, wie es aus plötzlich zu Geld gekommenen Kreisen heißt).

Aber lassen wir das. Wir wissen doch eh alle seit dem ersten Satz, worauf das hier hinausläuft. In genau 10 Tagen erscheint mein neuer Roman „Blaues Blut – Eine Biedermeiersehnsucht“. Und mein Verlag hat gesagt, wenn ich das etwas gesellschaftskritisch geratene Teil digital-virtuell nicht zum Laufen kriege, dann sei das gar nicht schlimm. Dann könne ich mit dem eitlen Klumpen ja immer noch draußen auf der Straße auf und ab laufen, rufen: Kauft mich, kauft mich. Lobbyismus in eigener Sache, für Einsteiger gewissermaßen.

Wer mich von der Straße fernhalten möchte, zumal auch mein verkaufsförderndes Outfit, das ich dann trage noch nicht ganz geklärt ist, kann das Buch hier bestellen: https://davidwonschewski.com/kontakt/

Wer erst einmal reinlesen möchte, kommt hier weiter: https://wp.me/p2BujB-3Pa

Reitet gut in den Sonnenuntergang – zumindest hier im westlichen Münsterland ist das aktuell gut machbar. Wir haben Sonne, wir haben Pferd, wir haben sogar mach hübsche James Taylor-CD im Regal.

Euer David Wonschewski

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. März 2022 von in Nachrichten und getaggt mit , , , , , , , .
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