David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Blondie, Jim Morrison, John Lennon, Men at Work. 30.Oktober, da war doch was. Der Pop-Kalender.

Besinnungslos zusammengestöbert von David Wonschewski

Am 30. Oktober 1978 veröffentlichte eine Band, von der ich bis heute nicht so recht weiß, was ich von ihr halten soll, einen Hit, von dem, nun, ich bis heute nicht so recht weiß was ich halten soll davon. Blondie ist der Name der Band (nein, verdammt die Sängerin sieht zwar so aus, heißt aber anders), „Hanging on the Telephone“ das Stück Musik. Es war die zweite Single aus dem Über-Album „Parallel Lines“ und der erste UK Top 10 Hit für die Band aus New York. Schon gewusst, dass diese feiste Nummer ein Cover ist? Das hier ist das Orignal, Baujahr 1976:

Vermutlich zeigt das Original auch auf, warum ich mit Blondie nie so ganz warm wurde. Zwar wird die Band gnädig in den Punk/Wave-Kosmos einsortiert, irgendwie ist deren Version aber eben doch ziemlich glatt gebügelt, derweil die unbekannt gebliebenen Nerves wunderbar kratzig daherkommen. Jack Lee, der Songwriter der Nerves, ist übrigens noch für einen weiteren Pophit verantwrtlich, den in seiner eigenen Version keine Sau hören wollte, erst in der – gibt es ein Synonym für glattgebügelt? – naja in der Hüstel-Hüstel-variante wurde es zum Megaseller:

Auch an einem 30. Oktober, allerdings 1970, veröffentlichte Elton John sein drittes Studioalbum „Tumbleweed Connection“. Der Mann ist aus vielen Gründen ein Phänomen, zurecht. Eines wird aber selten genannt: Der Mann ist auch deswegen eine Legende, die die eigene Karriere über Jahrzehnte hochhalten konnte, weil auf jedem Album exakt ein Lied ist, das jeder kennt. Mehr nie. Und jetzt bitte nicht die Musikfreaks und Elton-Spezies Einspruch erheben, ja, wir kennen alles, seit jeher, schon klar. Macht gerne mal den CD-Rücken- oder auch Spotify-Test. Immer genau ein bekanntes Lied. Ich glaube nicht, dass das Zufall ist, ich wähne da eine Strategie hinter. Deswegen mag ich „Tumbleweed Connection“ auch so – die Lieder von dem Album kennt keiner. Auch ich nicht, musste gerade erst wieder ein paar anspielen, um mich als komplett ahnungslos vorzufinden.

1970 – an diesem 30. Oktober wurde Jim Morrison von den Doors zu sechs Monaten Haft verurteilt. Jetzt denkt gewiss jeder an Drogen. Falsch, Jim hatte sich bei einem Auftritt in Miami eine Spur zu nackig gemacht. Ha.

1971 – John Lennon geht mit dem Album „Imagine“ schnurstracks auf Platz 1 der UK Albumcharts. Die gleichnamige Single geht mir ja etwas am Allerwertesten vorbei, ganz urig finde ich aber, dass auf dem Album zwei Lieder sind, die Paul McCartney attackieren: „How do you sleep“ und „Crippled inside“. Allein die Titelnamen schon, juhu. Auf den ersten Editionen des Albums gab es im Inlay wohl auch ein Foto, auf dem John ein Schwein kuschelt. Als ironische Referenz an McCarteny’s Platte „RAM“ auf der er Ähnliches mit einem Schaf veranstaltete.

1982 – Men at work gelingt mit „Who can it be now“ ihr erster von zwei Nummer 1-Hits. Ich glaube im Übrigen tatsächlich daran, dass Pop in den 80iger-Jahren gehaltvoller war als heute. Auch wenn das womöglich nur mein eigenes Altern belegt.

1990 – offenbar ein guter Tag für Gerichtsurteile. Axl Rose wurde am 30. Oktober dieses Jahres zu 10.000 Dollar Strafzahlung verknackt. Er soll einem Nachbarn mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen haben. Der sich zuvor über zu laute Musik aus dem Hause Rose beschwert hatte bei der Polizei. Hm. Keine Ahnung warum das eine Meldung wert ist, dachte, das war bei Axl Rose Alltag.

2007 – die ehemalige Managerin der Ramones, Linda Stein, wurde totgeprügelt in ihrem Apartment in Manhattan aufgefunden. Linda war die Ex-Frau des berühmten Seymour Stein, seines Zeichens Plattenboss, ohne den die Ramones, Talking Heads oder auch Madonna nichts nichts nichts wären. Lina Stein selbst arbeitete als Künstleragentin für u.a. Sting und Billy Joel. Für schuldig befundne wurde später Steins Assistentin, die es nicht mehr ertrug von ihrer Chefin schikaniert zu werden.

So viel dazu, wir sehen uns wieder,

David Wonschewski

6 Kommentare zu “Blondie, Jim Morrison, John Lennon, Men at Work. 30.Oktober, da war doch was. Der Pop-Kalender.

  1. davidwonschewski
    30. Oktober 2020

    Ich will mal nicht so oberschlau tun, ich stieß erst bei den Recherchen dieser Tage drauf, durch Zufall (wenn man emsiges Lesen denn als solchen benennen möchte…) . Beste Grüße!

  2. davidwonschewski
    30. Oktober 2020

    Ja, irgendwas haben die und warum die groß wurden merke ich natürlich schon. Ich vermute, dass die eher sowas genreverbindendes haben, wo sich Anhänger ganz unterschiedlicher Musikrichtungen drin treffen können.

  3. davidwonschewski
    30. Oktober 2020

    Interessant, diese Namensverbindung habe ich noch gar nicht gezogen, so von Stein zu Stein. Also nicht, dass ich wüsste…kann mich allerdings auch nicht erinnern das je nachrechiert zu haben…

  4. Bludgeon
    30. Oktober 2020

    Interessant dieses Stein-Schicksal. Hatte die auch was mit Chris Stein von Blondie zu tun? Würde ja auch deren Erfolg erklären, bei derartigen Connections.

    Die Nerves kannte ich bis eben auch nicht.

    Imagine – da gehts mir andersrum. Der Song ist okay, das Album eher mau. Über die McCartney-Watschung hab ich mich zwar mit 18 auch erheitert, aber davon abgesehen – musikalisch klingt er wie ein Elton John für Arme auf der Platte. Und von Elton selber – mag ich den Crocodile Rock und darüberhinaus wird es schon enge….seine „Lieder die jeder kennt“ wurden ja deswegen immer so dermaßen abgelatscht, dass man automatisch von seiner Stimme schon genug hatte.

  5. hicemusic
    30. Oktober 2020

    Oh man, ich liebe Blondie 😊😉 Schöner Text 👍 Viele Grüße

  6. Maccabros
    30. Oktober 2020

    das mit dem Nerves Cover von Blondie war mir nicht geläufig, wobei ich mir einbilde, recht gut über den Werdegang um D. Harry´s Gruppe informiert zu sein, da ich Sie bis heute höre, inklusive der aktuellen Songs, aber man oder frau lernt ja bekanntlich niemals aus… 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. November 2020 von in Musikrezensionen, Nachrichten und getaggt mit , , , , .
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